Andreas Winkelmann – Die Zucht

Ich hatte das große Glück, dass ich dieses Buch bereits als Druckfahne im Dezember lesen durfte und die Wartezeit bis zum ET am 30.01.2015 somit drastisch verkürzt wurde. Wiederum zähle ich jetzt natürlich nicht mehr zu den glücklichen Lesern, die dieses Schmankerl aus Horror, Thriller und Ekel vor sich haben.

Wenn ich dieses Buch mit einem Wort beschreiben müsste, wäre es „widerlich“. Ja!, und das im positiven Sinne. Meiner Überzeugung nach ist es Winkelmanns bestes Buch bisher, denn die Mischung aus menschlichen Abgründen und schockierenden Cliffhangern ist ihm SO noch nicht gelungen.

Es wird höchstwahrscheinlich Leser(innen) geben, die dieses Buch ab und an zur Seite legen müssen. Zumindest erging es mir so! Andreas Winkelmann hat in diesem Thriller eine Idee umgesetzt, die ich abgründig und zutiefst schockierend finde. Da muss man mehrmals schlucken, um überhaupt zu begreifen, was da vor sich geht.

„Nur fünf Minuten hat Helga Schwabe ihren Sohn aus den Augen gelassen. Einen unaufmerksamen Moment lang. Und in diesem Moment ist er verschwunden. Als fielen Hauptkommissar Henry Conroy die Ermittlungen in diesem Fall mutmaßlicher Kindesentführung nicht schon schwer genug, muss er sich auch noch mit einer neuen Kollegin herumschlagen. Vorlaut, frech, selbstbestimmt – das ist Manuela Sperling. Aber sie hat einen guten Riecher. Und bald stoßen die beiden auf eine Spur, die zu einem einsamen, verfallenen Gehöft im Niemandsland an der Grenze zu Tschechien führt, auf dem illegal Hunde gezüchtet werden…“ Kurzbeschreibung laut www.andreaswinkelmann.com

Doch Andreas Winkelmann versteht es natürlich auch hier wieder einmal mehr falsche Fährten zu legen und den Leser in eine völlig falsche Richtung zu lenken. Pädophile Nachbarn im engstem Umkreis der Familie Schwabe? Zuhälterei mit jungen Frauen aus Tschechien? Illegale Hundezucht? Wie passt das alles zusammen und vor allem taucht immer wieder die Frage auf wer hier die Stricke in der Hand hält?

Vor dem inneren Auge des Lesers entsteht nach und nach eine Familientragödie, die in seiner Abartigkeit seinesgleichen sucht.

Die unterwürfige Haltung einer seiner Hauptcharaktere und die im Gegensatz dazu gestellte Figur des „Übervaters“ sind wohl der herausragendste Punkt des Thrillers. Dadurch gelingt es Winkelmann eine düstere und bedrohliche Atmosphäre zu kreieren, die sich von Anfang bis Ende zieht. Die Vorstellung, dass manche hier erfundenen Verbrechen tagtäglich stattfinden, erschüttert mich gnadenlos.

„Die Zucht“ verspricht hartgesottenen Thrillerfans Hochspannung bis zum Schluss, die atemlos macht und auf keinen Fall für zartbesaitete Gemüter geeignet ist. Zutiefst schockierende Thrillerelemente vereinen sich hier auf sehr hohem Niveau mit menschlichen Abgründen!
© Ricarda Ohligschläger

 


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