Aus dem Bauch mitten ins Herz III

Liebe Maite Kristin, 

nun bist du schon 19 Monate bei uns und beherrschst unseren Alltag mittlerweile durch „knallharte“ Ansagen. Dein Lieblingssatz ist im Moment „Kacka gucke!“ Dann möchtest du unbedingt, dass wir gucken ob du die Windeln voll hast. Egal, ob wir gerade Zuhause oder beim Großeinkauf sind. Natürlich spielen wir das Spiel nicht immer mit, was du dann aber mit „Kacka! Gucke!“ in verschiedenen Lautstärken kommentierst. 

Du bist eh ziemlich laut geworden. Schon morgens um halb acht kannst du „OPA!“ problemlos aus dem Bett brüllen und parallel dazu verkünden, dass du „Hunna!!!“ hast. Du isst wahnsinnig gerne Rührei, Kochei und Leberwurstbrot. Wenn es dir schmeckt schreist du nach „Mehr!“ und isst Gratin notfalls mit den Fingern. 

Es kommt nicht selten vor, dass ich dich nach dem Mittagessen bade. „Bade“ magst du zum Glück sehr. Auch gibt es beim Haare waschen und Zähne putzen kein Gebrüll. Nur stört dich dabei, dass alles „nass“ ist. Dafür liebst du das Geräusch des Föns und den Wind, den er macht. Aus dem gleichen Grund läufst du dem Staubsauger hinterher, der „sauber“ macht. 

Dabei war es hier schon lange nicht mehr richtig sauber. Überhaupt hat die Wohnung kaum noch Dekoration und ich bin den ganzen Tag damit beschäftigt Dinge weg / hoch oder zur Seite zu räumen. Schränke werden grundsätzlich von dir ausgeräumt, wenn ich es am wenigstens brauchen kann und es macht dir große Freude Knöpfe sämtlicher Art zu verdrehen.  So ist es kein Wunder, dass 30 – Minuten – Wäsche ab und an zwei Stunden benötigt. 

Manchmal hätte ich gerne wieder die blitzblanke Wohnung von früher, Zeit mal in Ruhe die Schränke auszuwaschen, Fenster zu putzen oder einfach nur mal in Ruhe auf die Toilette zu gehen OHNE, dass jemand währenddessen „Mama! Pippi!“ durch das Haus brüllt. Ich bin ja schon dankbar, dass du mittlerweile weißt was „Zu!“ bedeutet. 

Wenn ich ein Blick in mein Bücherregal werfe könnte ich heulen. Es war immer mein Lieblingseinrichtungsgedöns. Sauber, aufgeräumt, gut sortiert. Im Moment steht alles durcheinander, nicht mehr nach Verlagen und Genre sortiert und die unteren drei Böden sind zur Sicherheit komplett leer. Du fandest es eine Zeitlang sehr toll Seiten in stundenlanger Kleinarbeit herauszureißen und dann die Schnipsel in der Wohnung zu verteilen. Ich kann dir gar nicht sagen wie mein Herz dabei geblutet hat. 

Doch! Auf jeden Fall nicht so wie dich krank im Krankenhaus zu sehen, dich fallen zu sehen oder weinen / leiden im Allgemeinen. Es bricht mir fast das Herz wenn du „Aua!“ machst und große Tränen weinst, weil du gestolpert bist, dich gestoßen hast oder „Papa abbeiten!“ ist. 

Allerdings hasse ich es, wenn du heulend aus dem Mittagsschlaf erwachst und dann geschlagene zehn Minuten und länger jammerst. Maiti, dann schlaf doch einfach länger. Punkt. Aber bitte hör auf damit. Du musst nicht genau so mürrisch werden wie ich, wenn es heißt aufstehen. 

Wenn ich mir jetzt den Fußboden so anschaue, weiß ich, dass ich aufpassen muss gleich nicht über Duplo & Co zu fallen. Du hast eindeutig Chaos verbreitet. Heute. Gestern. Und die letzten Monate. 

Wir haben dreckige Fenster, Staub auf den Möbeln, zu wenig Schlaf und wenig Zeit mal ein Buch zu lesen, aber wir haben dich dafür. 

Und das ist das was zählt, uns Halt gibt und uns lächeln lässt. 

Weil „Mama!“, „Papa!“ die schönsten Worte aus deinem Mund sind! 


7 thoughts on “Aus dem Bauch mitten ins Herz III

  1. Liebe Rici,
    das hast du wunderschön beschrieben und ich sehe mich und meine mittlerweile dreieinhalbjährige Greta vor meinem geistigen Auge. Natürlich auch unser chaotisch gewordenes Heim. Glaube mir, es wird noch lange so weiter gehen. Jammern und Weinen? Das geht nicht nur nach dem Mittagsschlaf. Das geht auch, wenn der Saft auf den Ärmel tropft, man sich alleine etwas anziehen soll, man voller Inbrunst sein Kuscheltier mit Marmelade eingerieben hat und feststellt, dass es jetzt schmutzig ist, Papa lieber ein Schokoeis und kein Bananeneis möchte………..und und und.
    Bücher zerfleddern? Ja! Sie anzumalen macht auch Spaß! Oder Mamas Tasche von der Arbeit auszupacken und die sich darin befindlichen Klassenarbeiten anschließend zu verschönern – ein HIT!

    Wir sollten all das noch viel mehr genießen, denn es geht zu schnell vorbei🙂

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