Heike Groos – Ein schöner Tag zum Sterben

„Kabul. Selbstmordanschlag auf einen Bus der Bundeswehr.“

So oder ähnliche klingen die Nachrichten, die wir mittlerweile leider fast täglich vernehmen müssen. Während die meisten von uns spätestens beim Sportblock der Abendnachrichten diese Meldung wieder vergessen haben – und davon schließe ich mich m.E. nicht aus -, gibt es Menschen für die diese Nachrichten eben mehr als nur eine Randnotiz ist.

 Familienmitglieder, die Zuhause in Deutschland auf ein Lebenszeichen ihrer Männer und Frauen hoffen. Zu diesen Frauen gehörte die Bundeswehrärztin Heike Groos.

Sie weiß wie es sich anfühlt die schlichten Fakten zu sehen, zu fühlen und welche Folgen sie haben können.

In „Ein schöner Tag zum Sterben“ berichtet sie von ihrer Zeit in Afghanistan. Fast schon zu sachlich und nüchtern, aber trotzdem mit aller Deutlichkeit lässt sie die traumatischen Erlebnisse ihres Bundeswehreinsatzes Revue passieren . Sie berichtet außerdem vom Familiengefühl unter den Kameraden, von schönen Begegnungen mit Menschen, der wunderschönen Landschaft und dem Schmerz die Feiertage ohne ihre Kinder verbringen zu müssen.

Wenn man sich – so wie ich – bisher nicht näher mit der Thematik beschäftigt hat, kann dieses Buch Erkenntnisse an den Tag bringen, die sprachlos machen und lange nachhallen. 

Groos selbst musste nach ihrem Aufenthalt in Afghanistan mit viel Unverständnis kämpfen. So fragten nicht wenige ihrer Kollegen wie denn der „Urlaub“ war, sahen in erster Linie die schöne Landschaft auf den Postkarten und den Auslandsverwendungszuschlag! 

Wie soll man dann erst als Außenstehender begreifen was diese Einsätze aus einem Menschen machen (können)? 

Mutig erwähnt sie die fehlende Hilfe bei der Traumabewältigung, das Auseinanderbrechen ihrer Ehe und der Einsicht, dass ihre Kinder sich auf ein Leben ohne sie eingerichtet hatten.

Ich empfehle dieses Buch jedem, der nicht auf der Suche nach Unterhaltung, sondern nach Fakten und einem nüchternen Blick auf die Realität ist. Bei mir hat es einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen, da ich aus ihren Zeilen herauslesen kann, dass viele ihre Kollegen nach ihren Einsätzen allein gelassen mit ihren traumatischen Erfahrungen. 

Noch schockierender ist, dass es bis heute keine ausreichende Betreuung für Bundeswehrkameraden mit posttraumatischen Belastungsstörungen gibt! 

© Ricarda Ohligschläger

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