Gastrezension von Jörg: Papa-Probetraining – Ben Weber

Kurzbeschreibung: Können Schneeeulen tanzen? Isst man Pommes mit Senf? Fressen Löwen Fitnesstrainer? Warum stellt sich Benno Weber neuerdings diese merkwürdigen Fragen? Als der in die Jahre gekommene Fitnesstrainer und Hausmann eines Tages nach Hause kommt, ist er ziemlich überrascht:
In seiner Küche sitzt ein Kind! Der neunjährige Leo, ein Schüler aus der Klasse seiner Ehefrau Susanne, ist verzweifelt, weil er Probleme mit seinen Pflegeeltern hat. Als der Junge kurz darauf ins Kinderheim abgeschoben wird, gelingt es Susanne Benno zu einem Treffen mit Leo zu überreden. Diese Begegnung mit dem fremden Heimkind bringt nun das geordnete, ruhige Leben des midlifekrisengeplagten Mannes ziemlich durcheinander …

In dieser autobiografisch inspirierten Geschichte beschreibt der Autor mit Augenzwinkern und einer gehörigen Portion
Selbstironie, wie er sich darauf einlässt, sein wohlstrukturiertes und bequemes Leben einzutauschen gegen das gewöhnliche Chaos und Abenteuer im Zusammenleben mit einem Kind.

Mein Eindruck:

Aufgrund der Kurzbeschreibung möchte ich gar nicht näher auf den Inhalt eingehen. Diese umfasst im Prinzip schon das Wesentliche.

Was die Kurzbeschreibung allerdings nicht wiedergeben kann, ist der wunderbare Schreibstil, mit dem Ben Weber die Geschichte ausführt. Immer wieder beschreibt er die Episoden auf dem Weg zum Pflegevater kurz, prägnant und mit der trockenen Art von Humor, die nicht nur den Ruhrpottlern nachgesagt wird, sondern auch absolut meinen Nerv getroffen
hat. Seine Kunst dabei liegt darin, trotz allem plastisch in den Beschreibungen zu bleiben, so daß das komplette Buch ein wunderbares Kopfkino in Gang setzt. Unweigerlich führte das Buch auch dazu, eigene Erinnerungen mit meinen Kindern wachzukitzeln.

Beim Lesen des Buches durchzog kontinuierlich ein Grinsen mein Gesicht, welches spätestens bei der Geschichte mit der Pizza Diavolo zu einem infernalischen Prusten wurde und die anderen Zugreisenden vermutlich an meinem Verstand zweifeln ließ. Sicherlich mag das Eine oder Andere etwas überspitzt dargestellt sein, aber vielfach hört man sich als Vater
selbst murmeln:“So isses!“.

Was aus meiner Sicht dem Buch sehr gut tut, ist die Tatsache, daß der Autor hauptsächlich auf die Beziehungsebenen konzentriert hat, und den Rattenschwanz an juristischem und verwaltungstechnischem Aufwand nur
kurz anreisst, der mit einer Pflegeelternschaft sicherlich verbunden ist.

Ich halte dieses Buch für rundum gelungen, und wer gerne wissen möchte, wie die „Jungfrau zum Kinde“ kommt, erfährt es hier auf unnachahmlich humorvolle Weise.

© Jörg Häusler


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