Interview mit Regina Gärtner

IMG_8807Liebe Regina, deine Bücher spielen in „fernen Ländern“ und dahin geht auch meine Frage, hast du die Orte/ Länder, welche du in deinen Romanen beschreibst, schon selbst besucht oder steht dies noch auf deiner Wunschliste?

Ich leide ständig unter Reisefieber und war schon mehrmals auf allen fünf Kontinenten, auch auf Inseln im Pazifischen Ozean und mehrere Male in Australien, aber bis nach Samoa habe ich es nur in meinen Planungen und Träumen geschafft.
Samoa ist eine tropische Inselgruppe, was bedeutet, es gibt keine Jahreszeiten, sondern nur Trockenzeit und Regenzeit. Ganzjährig ist dort eine schwül-warme Temperatur, diese tropische Lage birgt allerdings auch immer die Gefahr von großen Wirbelstürmen, die im südlichen Pazifik Zyklone genannt werden. Und nicht nur Alma ist Opfer eines solchen Sturmes geworden, sondern auch meine Reisepläne. Eigentlich wollte ich mit meinem Mann im Januar/Februar 2013 zur Recherche nach Samoa reisen, aber Mitte Dezember fegte ein Zyklon über die Inseln, mit einer gewaltigen Zerstörungskraft. Wir mussten unsere Reise leider aufschieben. Aber die Pläne sind nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Samoa steht definitiv noch ganz weit oben auf meiner Löffelliste.

Wie kommt es, dass du dich genau für dieses Land als Spielort deines Romans entschieden hast? Hat dies persönliche, politische oder ggfs. sogar andere Hintergründe?

Deutschlands Kolonialgeschichte ist ja eher kurz und bescheiden, und dennoch unglaublich spannend. Die deutschen Kolonien sind seit knapp zwanzig Jahren ein Thema, was mich zunehmend mehr interessiert hat. Die Vorstellung, Deutschland in der Fremde, ob nun Afrika, Asien oder in der Südsee zu finden, hat mich fasziniert.
Dass der Handlungsort Samoa – die Perle der Südsee, wie man sie damals nannte – wurde, hat dann etwas mit der gezielten Recherche zu tun, die ich für das Buch betrieben habe. Hier gab es am ehesten die Verbindung nach Australien, die ich gerne wollte. Und mit keiner Kolonie verbindet sich diese träumerische Vorstellung von türkisblauem Meer, weißen Palmenstränden und wunderschönen Menschen mehr als mit Samoa. Gleichzeitig war hier aber ein großer Handelsposten und es gab die Briten und Amerikaner, die ebenfalls Anspruch auf die Inseln erhoben. Also, die idealen Voraussetzungen für einen Roman, der sowohl idyllisch, als auch spannend werden sollte.
In „Der Glanz von Südseemuscheln“ wird „Unter dem Südseemond“ – der ja wenige Monate vor dem Ersten Weltkrieg endet, weitergeführt.  Er erzählt die Geschichte in der Zeit von „The great war“, wie der 1. Weltkrieg damals genannt wurde. Das ist ein fast völlig vergessenes Thema: Wie erging ist es den Deutschen, die abseits Europas lebten, im Ersten Weltkrieg? Sowohl die Deutschen in den Kolonien als auch die deutschen Einwanderer in Australien hatten ein ganz besonderes Schicksal.
Das ist ein spannendes Kapitel der deutschen Geschichte, über das ich zunächst auch nicht viel wusste. Die Recherchen dazu waren sehr umfangreich, da ich häufig nicht mehr auf deutsche Quellen zurückgreifen konnte, sondern in neuseeländischen und australischen Online-Archiven danach suchen musste.

Hast du schon einmal darüber nachgedacht nach Australien auszuwandern?

Oh ja, mehrmals und auch immer wieder. Aber Australien ist so weit weg, dass man nicht einfach ein paar Mal im Jahr zu Besuch kommen kann. Und meine familiären Banden und Freundschaften möchte ich nicht auf Eis legen. Also wird das wahrscheinlich nichts mehr. Allerdings habe ich immer noch den Traum, mal für ein halbes Jahr in der Nähe von Sydney unseren Winter überbrücken zu können. Das wäre mein großer Traum.

Wird es eine weitere Fortsetzung der Geschichte um Alma und Joshua bzw. deren Familie geben? Arbeitest du bereits daran?

Möglich ist alles. Auch der erste Roman >Unter dem Südseemond< war ja eigentlich als Einzeltitel gedacht. Durch die vielen positiven Rückmeldungen habe ich mich damals entschlossen, den weiterführenden Roman zu schreiben. Es hängt aber auch immer vom Verlag ab, was der gerade als besonders vermarktbar ansieht, und was der Buchhandel einkauft. Ich persönlich könnte mir allerdings sowohl eine Nachfolgegeschichte von >Der Glanz von Südseemuscheln< als auch noch eine Art Prequel zu >Unter dem Südseemond< vorstellen.

Könntest du dir auch vorstellen in einem anderen Genre zu schreiben? Welches wäre das dann?

Mein erstes veröffentlichtes Buch war der Krimi >Tödliche Schöpfung< – der übrigens im Juni als E-Book neu aufgelegt wird – , dann kamen einige Kurzgeschichten, danach reine Liebesgeschichten und jetzt die historischen Romane. Ich würde sagen, ich bin sehr offen für neue Genres. Eigentlich ist es so, dass ich mir vorstellen kann, alles, was ich auch gerne selber lese, schreiben zu können. Und da sind durchaus noch einige andere Genres offen – wie zum Beispiel Fantasie.

Was ist das Reizvolle für dich daran, historische Romane zu schreiben?

Jedes Genre hat seine eigene Faszination, und bei den historischen Geschichten bin ich fasziniert davon, mir durch das Eintauchen in eine vergangene Welt die vergangene Zeit, das Zeitgeschehen und unsere gesellschaftliche Entwicklung von damals bis heute klarzumachen. Ich lerne so viele spannende Dinge und überraschende Details, dass mir die Recherche häufig mehr Spaß bereitet, als das Schreiben selber.
Außerdem ist es eine echte Herausforderung, den schmalen Grat zu treffen, zwischen authentischer und korrekter historischer Darstellung auf der einen Seite, und auf der anderen Seite eine Form zu finden, die es einem modernen Menschen ermöglicht, sich in die jeweilige Epoche hinein zu finden.

Du pflegst regen Kontakt mit deinen Fans auf Facebook – was macht diesen Austausch für dich besonders interessant?

Ich beschränke mich zwar auf Facebook und Lovelybooks, aber vor allen Dingen aus einer Frage der Zeit heraus. Ein gutes soziales Netzwerk ist sehr wertvoll. Mir ist es sehr wichtig, Kontakt mit meinen Leserinnen, meinen Autorenkolleginnen, den vielen Bloggerinnen und anderen Menschen aus der Buchbranche zu halten.
Gute Netzwerke sind eine hilfreiche Quelle für Informationen jeder Art. Und die erhalte ich genauso gerne online wie offline, wie z. B. auf Treffen auf Messen und Conventions. Dort kann ich Menschen persönlich kennenlernen, die ich oft zuvor online kennengelernt.
Zudem halte ich viel von der sogenannten Schwarmintelligenz – es gibt immer jemanden, der einem bei speziellen Fragen weiterhelfen kann. Diese Art der schnellen Kontakte hätte man ohne die sozialen Netzwerke heute nicht.

Liebe Regina, vielen Dank für dieses sehr interessante Interview!

Die Bücher aus der Verlosung gehen an
Rebecca Kiwitz
Sonja Werkowski
Melanie Truhoel

Herzlichen Glückwunsch!

Die Interviewfragen stammen aus Einsendungen, im Rahmen der Aktion „Leser fragen – Autoren antworten”


One thought on “Interview mit Regina Gärtner

  1. Hallo Rici,

    ein großes Dankeschöne an die Autorin, daß sie unsere Frage beantwortet hat. Wirklich alles sehr interessant. Ich freue mich riesig über das Buch. Vielen lieben Dank dafür. Wünsche einen schönen Feiertag.

    Liebe Grüße
    Sonja

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