Ich habe heute den ersten Gürtel meines Lebens gekauft!
Ja, ihr lest richtig. Den allerersten! Bisher hatte ich nämlich nicht das Problem, dass ich unter ständig rutschenden Hosen litt, daher benötigte ich keinen.
Sonst trug ich eher kneifende, stramme, sehr körpernahe, sich in den Bauch wühlende, knappsitzende oder einquetschende Beinkleider. Und eine ganz schlimme Sorte sind Stehhosen. Das ist kein Schreibfehler! Ich meine tatsächlich Steh- statt Steghosen. Steghosen sind laut Wikipedia Hosen “mit einem Fersenband an jedem Fußende, dem sogenannten Steg, das die Hose gespannt hält und ein Hochrutschen des Hosenbeins beim Tragen verhindert.”
Stehhosen hingegen sind Hosen die so eng sind, dass man damit niemals bequem sitzen kann. Und ich weiß ganz genau, dass etliche davon in der Welt unterwegs sind! Ich bin sicher nicht die Einzige, die jemals verzweifelt versucht hat sich im Liegen in eine Hose zu quetschen. Finger hoch! Wer kennt das auch? Mutige Frauen und Männer bitte vortreten.
Hat man sich einmal in solch eine Hose hineingepresst und unter Atemnot den Reißverschluss nebst Knopf geschlossen, wird man schnell feststellen, dass man unmöglich mit solchen Hosen sitzen kann. Sie sind schlichtweg zu eng dazu. Also zieht man sie nur an, wenn man beispielsweise Stehplatzkarten für ein Konzert ergattert hat oder wenn man eh vorhat sie schnell wieder auszuziehen. Stehhosen wünschen sich weder Frau noch Mann, aber wenn die Kalorien gnadenlos walten und nachts die Hosen heimlich enger nähen, kann es einen sehr schnell erwischen und schwuppssss – schon ist es passiert, dass man nichts anderes mehr im Kleiderschrank vorfindet als eben diese Hosen.
In meinem Kleiderschrank befinden sich zurzeit überwiegend Hosen der Kategorie “Geh die Treppe hoch und ich rutsch runter” oder noch schlimmer “Bück dich und ich zeig anderen deinen Hintern”.
Höchste Zeit also sich einen Ledergurt zu besorgen, der die Hose um die Körpermitte hält. Gürtel heißt das Wunderding und nachdem ich heute meinen Frondienst im Büro abgeleistet hatte, fuhr ich mit meinem Mann in die Stadt, um mir genau so ein Teil zu besorgen!
Erste Anlaufstelle war ein namhaftes Unternehmen mit zwei Buchstaben und einem “und” in der Mitte. Die Auswahl war riesig. Jedenfalls von der Stückzahl. Nur leider nicht “riesig” in Zentimetern gemessen und noch brauche ich das eben, da man sich so schnell nun auch wieder nicht von XXXXL in L verwandeln kann. Aber ich bemühe mich täglich!
Frustriert verließ ich nach mehreren Versuchen ein passgenaues Exemplar zu finden das Geschäft.
Meine zweite Anlaufstelle war – dank des Vorschlags meines Mannes – ein Lederwarenfachgeschäft in der Haupteinkaufsstraße des Heimatortes. Eine kleine ältere Dame nahm sich gleich meines Mannes an, der ihr dann freundlich zu verstehen gab, dass ich diejenige welche bin, die einen Gürtel benötige. Verdutzt schaute sie mich an und ich glaubte einen Blick in ihren Augen zu erkennen, der wohl sagen wollte: “Das wird schwer!”
Als ich mich einen Augenblick später aus meinen zwei Jacken gepellt hatte (neuerdings friere ich immer sehr!) und meinen Pullover lüpfte, sah die Dame schon zuversichtlicher aus. Und meine Zuversicht wuchs ebenso binnen von Sekunden, denn sie hielt mir zwei Modelle vor Augen, die ich sofort in meine Gürtelschlaufen einführte. Nacheinander natürlich!
Mein Frust ließ blitzschnell nach als sich bei beiden Gürteln Dorne und Loch miteinander verbinden ließen. Wow, ich hatte einen Gürtel gefunden!!
Letzten Endes kaufte ich mir das Modell mit der etwas weniger wuchtigen Schnalle, bedankte mich vielmals für die nette Bedienung und verstaute den neuen Schatz in meiner Tasche. Lächelnd verließ ich den Laden mit der Gewissheit, dass mir auf der Buchmesse die Hosen nicht rutschen werden. Außerdem werde ich dort die neuen Brillenbügel tragen, die ich mir zur Feier des Tages ebenso gegönnt habe, denn heute bin ich 50 Kilo von meinem Höchstgewicht entfernt. Und wenn das kein Grund für einen Gürtel ist, dann weiß ich auch nicht…
© Ricarda Ohligschläger

Ich freue mich immer wenn ich diese Art von Posts von dir lese. Ich freue mich mit dir über jedes Gramm was weg geht. Hast du eigentlich schon mal das Buch “Wunschfigur” gelesen? Als ich dies las nahm ich (ohne darauf zu achten) mal eben 2 Kilo ab
ich glaube das kenn ich nicht
Spätestens wenn ich deine Posts gelesen habe, habe ich wieder ein Lächeln im Gesicht… mach weiter so!!!
Wunderbar geschrieben, ich liebe Deine Beiträge.
Und ich gratuliere zu -50kg, was für ein Erfolg!
Gut zu wissen, WARUM es Gürtel gibt…:)
LG
Maccabros
Das ist toll, ich freue mich für Dich. Und die Art und Weise wie du darüber berichtetest ist total witzig.
Auch, von mir ein “Herzlichen Glückwunsch” zum Erfog!
[...] feierte Herzgedanke am 08. Oktober mit ihrem ersten Gürtel. Warum das so ist, schaut mal selbst nach. Jedenfalls schon wieder ein Grund Herzlichen [...]