Feeds:
Artikel
Kommentare

Es gibt Bücher, die möchte man einfach nicht loslassen – weil sie einen selbst nicht loslassen!
Das Lavendelzimmer” von Nina George ist so ein Buch. Bevor ich aber näher auf dieses Buch eingehe, muss ich etwas weiter ausholen.
Nina George hat mich bereits 2010 mit “Die Mondspielerin” begeistert und ich habe dieses Buch nicht umsonst am “Welttag des Buches” verschenkt. Ich bin der Meinung, dass jeder es gelesen haben sollte. Es ist bis heute tief in meinem Herzen verwurzelt. Und ich bin mir sicher, dass es noch sehr viele begeisterte Leser/innen finden wird.

Ist es also ein Wunder, dass ich “Das Lavendelzimmer” mit ganz besonderen Erwartungen zu lesen begann? Nein. Ganz sicher nicht.
Dieses Mal hat Nina George einem Mann die Hauptrolle in ihrem Buch gegeben.
Jean Perdu, ein verkorkster Buchhändlerin, der vor genau 21 Jahren von seiner großen Liebe Manon verlassen wurde nimmt uns mit auf sein Bücherschiff.  Seine “Literarische Apotheke”  ist alles was er noch hat, wenn man einmal von seiner Leidenschaft für Puzzles – groß wie Zimmerböden – und der Suche nach einem ganz bestimmten Schriftsteller absieht.
Jeden Tag spenden seine Bücher Trost, Freude und ein kleines bisschen Hoffnung. Doch Jean selbst hat allem was die Seele streichelt schon lange abgeschworen. Er hört keine Musik mehr, weil sie ihn an Manon erinnern könnte und Trost findet er nur in “Südlichter”, dem Buch dessen Autor sich hinter einem geschlossenen Pseudonym verbirgt. Oder ist es gar eine Autorin? Seit zwanzig Jahren analysiert Jean verschiedene Schreibstile, doch bisher ohne Erfolg. Wer das Buch geschrieben hat, ist ihm immer noch ein Rätsel.

Rätselhaft erscheint ihm auch der junge Erfolgsautor Max Jordan, der vor seinen Fans in die Rue Montagnard geflohen ist.
Und Catherine. Die ihn zum Essen einlädt, obwohl sie gar nicht kochen kann und ihm gleichfalls befiehlt Teller und Besteck mitzubringen, weil ihr Mann ihr nichts gelassen hat. Jean kommt ihrer Aufforderung nach.
Und für Catherine betritt Jean Perdu auch “Das Lavendelzimmer” in dem der Schlüssel zu ihm selbst verborgen ist …

Die Botschaft des Buches ist für mich Trauer anzunehmen, aber ihr auch etwas entgegenzusetzen. Und nicht wie Jean Perdu 21 Jahre lang sein Leben zu verschwenden, denn davon kommt niemand zurück. Sei es eine große Liebe oder jemand, der viel zu früh aus dem Leben scheiden musste. Trauer ist wichtig, aber auch das Leben, das bleibt. Und manchmal braucht es ein paar Anstöße um sich aufzumachen sein altes Ich wieder zu entdecken.

Nina George hat diese Botschaft mit viel Herzblut in viele wunderschöne Zeilen verpackt und ich bereue es ein bisschen, dass ich den Postit-Block erst ab der Hälfte des Buches neben mir liegen hatte, um die Seiten mit den kleinen Zetteln zu füllen. Es finden sich Zeilen für Buchliebhaber (Seite 38, erster Absatz!!), Wortliebhaber (Seite 203, Mitte) und für kleine Augenblicke des Innehaltens.

Dieses Buch braucht auf jeden Fall seine Zeit gelesen zu werden. Ich musste es zwischendurch immer wieder zur Seite legen, um den Worten nachzulauschen, mir Tränchen wegzuwischen oder um der Geschichte noch ein bisschen mehr Raum zu lassen, denn sie lebt nicht nur durch den mitreißenden Schreibstil, sondern auch durch seine vielschichtigen Charaktere.

Und sie lebt von der Atmosphäre die sie verströmt! Wer sich nach der Lektüre dieses Buches nicht nach Lavendel, Provence und französischem Wein sehnt, für den hat auch die “Literarische Apotheke” keine Medizin mehr.
© Ricarda Ohligschläger

In was verliebt sich eine Frau wohl zuerst bei einem Mann? Sind es die Hände, die Augen, die Stimme oder vielleicht der knackige Anblick von hinten? Kann man das überhaupt so genau sagen?

Bei Julie Tournelle trifft jedenfalls nichts von alledem zu, denn Julie verliebt sich zuerst in das Namensschild ihres neuen Nachbarn – lange bevor sie ihn das erste Mal zu sehen bekommt!

Ricardo Patatras steht auf dem Schild. Dieser Name klingt für Julie nach Klasse, nach Abenteuer, Leidenschaft und wahrer Liebe und so setzt sie alles daran den geheimnisvollen Nachbarn endlich zu Gesicht zu bekommen. Dafür postiert sie sich nicht nur vor ihren Türspion, sondern versucht auch in seinem Briefkasten seine Post zu inspizieren. Dumm nur, dass sie sich dabei die Finger einklemmt und in dieser Position von Ric erwischt wird.
Der charmante Nachbar jedoch hat nicht etwa direkt die Nase voll von seiner leicht verwirrten Nachbarin, nein, auch er scheint in Julie etwas ganz Besonderes zu sehen.

Daraus entspinnt sich eine ganz zarte Zuneigung und dann…?

Dann ändert Julie ihr Leben radikal.

Offensichtlich beflügelt von den Schmetterlingen im Bauch kündigt sie ihren verhassten Job bei der Bank und freundet sich mit der alten Nachbarin Alice Roudan an, die auf dem Dach heimlich einen kleinen Gemüsegarten angelegt hat.
Und zwischendurch kommt sie auf allerlei verrückte Ideen um Ric näher zu kommen.

Gilles Legardinier ist mit “Julie weiß, wo die Liebe wohnt” ein wunderbar romantischer, lebensfroher und zugleich unterhaltsamer Roman gelungen, der mich ganz weit fort nach Frankreich getragen hat. Ich hatte zuweilen das Gefühl französische Chansons aus dem Buch heraus zu hören!

Mit Julies Umfeld – “ihrer” Straße ist der passende Schauplatz für ihren kleinen Kosmos gewählt worden. Jeder kennt sich, bzw. glaubt sich zu kennen und doch wartet fast schon täglich eine kleine Überraschung auf Julie.

Legardiniers Sprache ist zum Teil reduziert, dann wieder sehr ausgeschmückt mit Liebe zum Detail. Dabei bleibt er jedoch immer auf einem hohen Niveau ohne kitschig zu wirken. Gekonnt wird hier die richtige Stimmung für die gesamte Handlung gezaubert.

Fazit: Warmherzig, französisch und voller Überraschungen!

Persönliche Anmerkung: Wer den Film “Die fabelhafte Welt der Amélie” liebt, wird sich ganz schnell von diesem Buch verzaubern lassen!!!
© Ricarda Ohligschläger

Ihr Lieben, ich weiß, dass ihr mit Sicherheit schon sehnsüchtig auf einen ausführlichen Bericht über die Liebesromantage wartet, aber ich hatte bisher einfach keine Zeit euch einen zu schreiben. Und auch die nächsten Wochen werden mehr als anstrengend, stressig und natürlich auch aufregend.

Daher habe ich ein paar Bilder für euch hochgeladen und hoffe somit ein bisschen ”Liebe” zu euch beamen zu können. :-)

Ich sage ja eh immer, dass man diese Tage nicht beschreiben kann, sondern man muss sie erleben!

Hier gehts zu den Fotos

In Iserlohn wurde ich interviewt. Hier könnt ihr lesen, was ich zu sagen hatte. ;)

NeleCollageLiebe Nele Neuhaus, da Sie ja sehr viele Lesungen veranstalten,  Pressetermine wahrnehmen müssen und auch Interviews geben, würde mich mal interessieren, wann Sie da überhaupt noch Zeit finden sich einem neuen Buchprojekt zu widmen. Und wie koordinieren Sie all das?

Das Leben einer Autorin hat zwei grundlegend verschiedene Gesichter: auf der einen Seite gibt es die Zeit des Schreibens und Recherchierens, und auf der anderen Seite die Öffentlichkeit mit Lesungen, Presseterminen und Signierstunden. Früher, als ich das Schreiben noch als Hobby neben meiner Arbeit betrieben habe, war es sehr anstrengend, denn diese beiden Gebiete ließen sich nicht klar voneinander abgrenzen.  Heute kann und muss ich meine Zeit straffer organisieren und – so leid mir das oft tut – in der Zeit der Manuskriptarbeit Lesungen ablehnen. Es gilt ja nicht nur Abgabetermine einzuhalten, die Arbeit an einem Manuskript ist viel komplexer. Man setzt sich ja nicht hin und schreibt drauflos. Für mich sind auch Phasen des Nachdenkens wichtig, des Ruhigwerdens, da kann ich keine Ablenkung durch Termine gebrauchen. Ist aber ein Buch erschienen, widme ich mich ganz und gar meinen Fans, der Presse und Öffentlichkeit und reise gerne kreuz und quer durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. In dieser Zeit versuche ich überhaupt nicht, irgendetwas konstruktives zu arbeiten, aber natürlich arbeitet mein Kopf immer weiter an neuen Ideen und ich halte Augen und Ohren offen, denn meine Inspirationen kommen aus dem Alltag, aus Begegnungen, Gesprächen.

Recherche ist bei den meisten Krimis ein großes Thema. Wie sieht dieser Teil der Arbeit bei Ihnen aus?

Die Recherche ist ein extrem spannender Teil meiner Arbeit. Wenn ich mein Thema gefunden habe, geht es los: Internet, Bücher lesen, Gespräche führen. Oft ergeben sich daraus Ideen für neue Wendungen in einer Geschichte oder gar die Idee für ein nächstes Projekt. Mittlerweile muss ich – was die Rechtsmedizin oder die Arbeit der Polizei betrifft – nicht mehr unbedingt mit Fachleuten sprechen, ich habe bereits sehr viele Informationen, die ich verwenden kann und sehr viel Literatur zum Thema Forensik und Rechtsmedizin, auf die ich zurückgreifen kann. Heutzutage öffnen sich mir auch viel leichter Türen, wenn ich mit jemandem sprechen möchte. Früher war das schon schwieriger. Ich habe aber auch im Bezug auf Recherche viel gelernt, recherchiere sehr zielgerichtet und überlege mir vorher, wo ich hin will, was ich wissen möchte.

Ihre Bücher sind ja recht komplex konzipiert. Wie gehen Sie an das Schreiben Ihrer Exposés heran? Arbeiten Sie mit Karteikarten, mit einem Schreibprogramm oder “old school” mit Block und Stift?

Es ist eine Mixtur aus allem. Ich denke, jeder Autor entwickelt mit der Zeit sein eigenes System. Ich skizziere erste Ideen auf Schmierzetteln, die dann an der Wand neben meinem Schreibtisch an ein Korkbrett gepinnt werden. Steht der grobe Plot fest, beginne ich damit, die Charaktere zu entwickeln, überlege mir Namen, Lebensläufe, Charakteristika, Aussehen, Vorlieben, Abneigungen etc. Bis dahin habe ich den PC noch nicht benutzt, das geht alles handschriftlich. Erst dann fange ich an, den Plot auszuarbeiten, mache mir einen Szenenplan, ähnlich wie ein sehr detailliertes Drehbuch, den ich in WORD in eine Tabelle schreibe. Das alles dauert ein paar Monate. Zwischendurch bespreche ich mich mit meiner Lektorin und mein Lebensgefährte spielt auch eine wichtige Rolle, denn ihm erzähle ich immer mal meine Ideen und höre mir seine Meinung dazu an. Wenn alles „steht“, fange ich mit dem Schreiben an. Dafür habe ich aber kein spezielles Schreibprogramm, das irritiert mich zu sehr. Ich habe vor Jahren mal Final Draft für Drehbücher ausprobiert, aber da muss man so viel Informationen vorab eingeben, das war mir zu viel Arbeit. Ich tippe einfach am PC los.

Wie sind die Titel Ihrer Bücher entstanden? Waren das eigene Ideen oder wurden diese in Zusammenarbeit mit dem Verlag ausgewählt?

Bis auf „Tiefe Wunden“ waren alle Titel meine Idee und wurden vom Verlag akzeptiert. Bei „Böser Wolf“ und „Wer Wind sät“ waren die Arbeitstitel dann auch die Titel, die schließlich genommen wurden. Der Arbeitstitel von Schneewittchen war ursprünglich „Hexenjagd“, aber dieser Titel war durch einen weitaus berühmteren Kollegen von mir bereits belegt, außerdem hätte er zu viel über den Inhalt des Buches verraten. „Schneewittchen muss sterben“ ist mir beim Schreiben eingefallen und ich hatte dann praktischerweise die Möglichkeit, das thematisch mit in den Plot aufzunehmen.

Gibt es Themen, über die Sie nie schreiben würden? Und wenn ja welche wären das?

Das ist schwer zu sagen. Ich wollte z.B. nie über das Thema Kindesmissbrauch schreiben, habe es aber in „Böser Wolf“ doch getan. Ein Thema muss mich faszinieren und fesseln, außerdem muss sich eine Geschichte um dieses Thema herum erzählen lassen. Ich mag Themen, die ein wenig gesellschaftskritisch sind, aktuell. Das Spektrum ist gewaltig und ich muss immer etwas finden, was mich für mindestens ein Jahr selbst neugierig macht.

 Die Charaktere in Ihren Büchern sind großartig gestaltet. Wenn man die letzte Seite umklappt und das Buch aus der Hand legt, fühlt es sich an, als würde man sich von guten Bekannten verabschieden müssen. Woher nehmen Sie die ganzen Ideen? Haben Pia, Bodenstein und Co. irgendwelche Lehnfiguren im realen Leben, die Sie beim Schreiben vor Augen haben, oder entspringen sie nur Ihrer Phantasie?

Danke für das Kompliment! Das freut mich sehr! :-)
Ich lege sehr großen Wert auf eine sorgfältige Entwicklung einer Figur. Oft tut es mir selbst sehr leid, wenn ich ein Buch beendet habe und mich von den Charakteren verabschieden muss. Hin und wieder habe ich schon überlegt, ob ich sie nicht weiter „mitspielen“ lassen kann, aber das ist schwierig, denn bei der ohnehin hohen Personendichte meiner Bücher wären diese dann irgendwann hoffnungslos überfrachtet. Reale Vorbilder habe ich so gut wie nie. Das möchte ich auch nicht, denn ich will in meiner Fantasie und der Ausgestaltung so frei wie möglich bleiben. Aber selbstverständlich werden meine Figuren vom alltäglichen Leben und von Begegnungen mit Menschen beeinflusst, denn ich bin eine sehr aufmerksame Beobachterin und mag es. Pia Kirchhoff zum Beispiel hat immer ein bisschen was von mir selbst. Letzten Sommer, als ich an „Böser Wolf“ schrieb, grillte mein Lebensgefährte abends gerne mal Zucchini und Auberginen für uns und so durfte Pia dasselbe tun.

Ist es für Sie sehr aufregend wenn ihre Bücher verfilmt werden? Ich als Leser gebe den Figuren in Büchern Gesichter und als Autor ist das doch bestimmt genauso, oder?

Als die ersten Anfragen und Angebote von Filmproduktionsgesellschaften beim Verlag eintrafen, war es aufregend und ich dachte, das sei eine tolle Chance. Wenn ich schreibe, läuft vor meinem inneren Auge immer ein Film ab und auch, wenn ich meine Figuren nicht richtig vor mir sehe, so weiß ich doch, wie sie sich bewegen, wie sie reden, ich sehe ihr Mimik und Gestik vor mir. Ich war mir, trotz Warnungen von Kollegen, nicht darüber bewusst, wie groß das Risiko ist, diese „Kopfbilder“ in reale Bilder umwandeln zu lassen und das auch noch von Menschen, die meine Bücher nicht mal gelesen haben.

Sind Sie zufrieden mit der Verfilmung Ihrer Krimis? Hatten Sie Mitspracherecht?

Nein, ich bin nicht zufrieden. Es wäre so viel besser gegangen. Leider gehören die Rechte meiner Bücher dem Verlag und der hat sie verkauft. In den Verträgen steht zwar etwas davon, dass ich Drehbücher vorgelegt bekäme und diese im Bezug auf Werktreue kommentieren dürfe, die Realität ist aber eine andere. Man gibt alles aus der Hand und ist einfach nur hilflos. Ich bin und war sehr enttäuscht, und überlege gut, ob und wenn ja an wen ich weitere Filmrechte abgebe. Glücklicherweise habe ich insofern ein Mitspracherecht, als dass ich dem Verkauf von Filmrechten widersprechen kann. Jetzt kommt ja am 13. Mai „Eine unbeliebte Frau“ im ZDF, danach werden noch „Mordsfreunde“ und „Tiefe Wunden“ verfilmt. Wenn das auch so wenig meinen Vorstellungen entspricht wie die katastrophale Schneewittchen-Verfilmung, dann wird es zukünftig keine Filmadaptionen meiner Taunus-Krimis mehr geben.  Bei „Unter Haien“ gehören mir die Filmrechte selbst, da verhandeln wir gerade. Und wenn in den Verträgen nicht drinsteht was ich drin haben möchte, dann unterschreibe ich nicht und es gibt keinen Film. Meine Bücher sind mir ohnehin wichtiger.

Wie haben Sie es geschafft, an einen großen Verlag zu kommen und wie erging es Ihnen in der Anfangszeit, als sie noch nicht bekannt waren?

Der Verlag kam an mich! :-)
Meine ersten drei Bücher habe ich ja quasi selbst verlegt und mit Unterstützung des BoD-Verlages Monsenstein & Vannerdat (www.ruckzuckbuch.de) drucken lassen. Zuerst habe ich die Bücher nur in meiner Heimatregion verkauft, das eine oder andere Buch wurde auch mal via Amazon bestellt. Nach und nach wurden die Buchhändler auf mich aufmerksam, denn ich bekam gute Kritiken in der lokalen und regionalen Presse und es sprach sich herum, dass es Krimis gibt, die im Taunus spielen. Ich machte Lesungen, zuerst vor drei oder vier Leuten, später war schon mal ein Saal mit 50 Gästen ausverkauft. „Mordsfreunde“ lief dann im Weihnachtsgeschäft 2007 so gut, dass ein Buchhändler einer Vertreterin des Ullstein-Verlages ein Exemplar mitgab. Die gab es im Verlag einer Lektorin, die war begeistert und meldete sich bei mir. So kam es zur Zusammenarbeit. Ein Jahr später erschien „Tiefe Wunden“, Ullstein übernahm „Eine unbeliebte Frau“ und „Mordsfreunde“ in die Backlist. Tja, der Rest ist mittlerweile Geschichte, obwohl es noch gar nicht soooo lange her ist!

Mir ist aufgefallen, dass von Ihnen ganz oft auf anderen Buchcovern ihre Meinung steht.  Wie kommt es, dass sie dafür ausgewählt wurden und wie schaffen Sie neben einem ausgefüllten Terminplan noch andere Bücher zu lesen? 

Diese so genannten „Quotes“ oder „Blurbs“ gebe ich gerne ab, wenn mich befreundete Autoren, mein Verlag oder sogar andere Verlage darum bitten. Oft lese ich die Bücher noch als Druckfahne oder PDF. Leider ist das mittlerweile etwas viel geworden und ich schaffe es tatsächlich nicht mehr, all die Bücher zu lesen. Ich tue es aber sehr gerne, denn ich freue mich, wenn ich anderen Autoren helfen kann. Ich selbst habe noch nicht ein „Quote“ von einem Autorenkollegen bekommen, obwohl ich mich sicherlich gefreut hätte. Aber ich hab’s ja auch so geschafft, Buchhändler und vor allen Dingen Buchkäufer von meinen Büchern zu überzeugen!

Wird man davon nicht ein wenig beeinflusst, wenn man so viele andere Bücher im Genre Thriller/Krimi liest?

Nein, überhaupt nicht! Das ist für mich Spaß-Lesen! Ich muss dazu sagen, dass ich wahnsinnig schnell lese, Bücher regelrecht verschlinge. Im letzten Urlaub hat mein Freund ein Buch gelesen, ich in der gleichen Zeit sieben. Da bleibt oft auch nicht viel hängen, muss ich zugeben. Es ist für mich Ablenkung, Entspannung, Vergnügen, aber keine Recherche oder gar Übung, wie ich es selbst machen würde.
Ich sehe keine Gefahr der Fremdbeeinflussung für mich. Ich habe meinen Stil gefunden und ihn über mittlerweile acht Bücher hinweg etabliert. Es wäre für mich bedeutend schwieriger, würde ich versuchen, mich da irgendwie zu verändern, weil  ich einem anderen nacheifern will.
Ich schreibe ja auch nicht erst seit zehn Jahren, sondern schon mein Leben lang. Da findet man zu sich selbst und dem Stil, der aus einem herauskommt.

Es ist eigentlich eher ungewöhnlich, dass deutsche Autoren in die USA “exportiert” werden. Wie ist es dazu gekommen und ist die Arbeit für oder mit dem amerikanischen Markt schwieriger bzw. anders als für den deutschen Markt?

Der amerikanische Markt ist für mich noch ganz neu. Schneewittchen schlägt sich ganz wacker, der Verlag ist zufrieden, hat schon eine dritte Auflage gedruckt. Es ist eine sehr große Ehre, nach USA verkauft zu werden, denn das ist tatsächlich selten. „Den Ritterschlag“ nannte mein Verlagschef das damals, als er mich anrief um mir mitzuteilen, dass die Verträge mit MacMillan unterschrieben seien. In einem neuen Markt als Autor Fuß zu fassen ist aufgrund der Masse an Büchern wirklich sehr, sehr schwierig und ich freue mich über kleine Erfolge, Anerkennung und positive Rezensionen, von denen es tatsächlich schon sehr viele gibt. Ich bin ohnehin noch immer völlig fassungslos darüber, dass meine Geschichten, die hier im Taunus spielen, in Korea, Japan, China, Russland, Brasilien, aber auch in Europa so gerne gelesen werden. In Japan hat „Tiefe Wunden“ erst letzte Woche einen sehr begehrten Leserpreis gewonnen! Leserpreise bedeuten mir sehr viel mehr als ein Jury-Preis, denn das spiegelt ja die Meinung der Menschen wider, die ich mit meinen Büchern erreichen will: die Meinung meiner Leserinnen und Leser.

Haben Sie schon mal eine Lesung in einem Frauengefängnis gemacht? Oder überhaupt in einem Gefängnis? Und glauben Sie, Sie wären in der Lage zu töten?

Nein, ich habe noch keine Lesung in einem Gefängnis gemacht. Und ich bin ziemlich sicher, dass ich nicht in der Lage wäre, zu töten. Ich kann nicht mal eine Spinne erschlagen, bin ein sehr mitfühlender und respektvoller Mensch und bin in der Lage, zu denken bevor ich handele. Aggressivität, Hinterhältigkeit, Neid, Gier – das sind alles Eigenschaften, die ich fürchterlich finde und nur in meinen Büchern behandele.

Bekommen Sie vom  “ausländischen Ruhm” viel mit? Bekommen Sie auch mal Rückmeldungen von Lesern aus dem Ausland (z.B. auf Facebook) oder hatten Sie bereits Lesungen im Ausland?

Ja, ich bekomme Rückmeldungen meiner ausländischen Verlage und natürlich habe ich Kontakt zur Presse und den Lesern in den Ländern, in die ich eingeladen werde. Auf Facebook habe ich eine „internationale“ Seite gegründet, die aber bisher nur wenig frequentiert wird. Aller Anfang ist eben schwer, aber ich bin sehr neugierig, wie sich das in Zukunft entwickeln wird.

Abschließend noch eine letzte Frage: Sie haben Ende März auf Facebook gepostet, dass 2014 ein neuer Krimi erscheint. Vorher noch ein Buch, etwas ganz anderes…. Wird hier etwas mehr verraten? Vielleicht auch ein Erscheinungstermin?

Ja, ich kann dazu gerne etwas sagen. Vor Jahren habe ich angefangen eine Geschichte zu schreiben, die im Herzen Amerikas angesiedelt ist. In den letzten 25 Jahren bin ich ja so gut wie nie aus Hessen und Deutschland rausgekommen, weil mein Ex-Mann nur in seiner Firma sein wollte. So habe ich dann eben „Urlaub im Kopf“ gemacht und mich in ferne Länder weggeträumt.
Irgendwann habe ich mit meiner Agentin über diese Geschichte  gesprochen, ein Familienroman im weiteren Sinne, und sie war davon sehr angetan, hat sie meinem Verlag angeboten. Es steckte noch eine Menge Arbeit darin, aber es gefällt mir, mal ein anderes Genre zu schreiben als Krimis. Aber ich möchte nicht, dass Leute das Buch kaufen, weil „Nele Neuhaus“ draufsteht, deshalb werde ich mir ein Pseudonym zulegen (gar nicht so einfach!!!), das allerdings „offen“ gehandhabt werden soll. Das bedeutet, man weiß, dass ich hinter diesem Pseudonym stecke, aber es ist klar, dass es sich bei diesem Buch nicht um einen Taunuskrimi mit Bodenstein und Kirchhoff handelt.

Liebe Nele Neuhaus, ich bin mir sicher, dass ihre Leser Ihnen auch beim Pseudonym treu bleiben werden. Vielen Dank für dieses aufschlussreiche Interview und den schonungslosen Blick hinter die Kulissen. Ich wünsche Ihnen – auch im Namen der Blogleser – alles Gute für die Zukunft!

Blick auf Nele Neuhaus Schreibtisch (© Nele Neuhaus)

Nele Neuhaus 2013

Die Bücher aus der Verlosung gehen an

Melanie Kilb
Tina Wolf
Claudia (Buchregal)

Herzlichen Glückwunsch!

Die Interviewfragen stammen aus Einsendungen, im Rahmen der Aktion „Leser fragen – Autoren antworten”

Die Aktion ist bereits beendet und die Gewinner sind ermittelt. Der Welttag des Buches war bereits am 23.04.2013

blogger

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 1.318 Followern an